Berufliche Schule des Landkreises Waldeck-Frankenberg

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Sprachförderkonzept

Am Gesamtsprachförderkonzept mitwirkende Schulen:
BerufschulCampus Schwalmstadt, Berufliche Schulen Korbach, Hans-Viessmann-Schule, Radko-Stöckl-Schule und Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Schule

Sprachfoerderkonzept Titelbild

Gesamtsprachförderkonzept zum Download

 

1. Präambel
Rechtliche Grundlage / Anspruch und Ziele

1. Präambel

Bei dem vorliegenden Sprachförderkonzept handelt es sich um ein gemeinsames Handlungskonzept der beruflichen Schulen des Staatlichen Schulamtes Schwalm-Eder/Waldeck-Frankenberg (SEWF) und wird daher mitunter auch als Gesamtsprachförderkonzept bezeichnet.

Es basiert auf der gemeinsamen Erkenntnis, dass die beruflichen Schulen die Aufgabe haben, alle Schülerinnen und Schüler unter Wertschätzung ihrer Herkunft, Kultur und Sprache zu einer erfolgreichen Teilhabe an unserer Lebens- und Arbeitswelt zu befähigen.

Die Intention des Sprachförderkonzeptes liegt darin, die Sprachkompetenz der SuS in beruflichen bzw. fachlichen Lern- und Handlungssituationen zu fördern und zum Gelingen des Übergangs in die Arbeitswelt oder in weiterführende Bildungsgänge beizutragen.

An oberster Stelle steht der Anspruch, ein Konzept zu entwickeln, das im Schulalltag wirksam ist. Das setzt voraus, dass verbindliche Aussagen und Vereinbarungen zu zentralen inhaltlichen und organisatorischen Bereichen der Sprachförderung getroffen werden.

Die Besonderheit der Konzeptarbeit liegt darin, dass es sich um ein sich weiterentwickelndes System handelt, das fortwährend ergänzt und an neue Bedingungen angepasst werden kann. Die Nutzung von Moodle als Plattform soll es der Arbeitsgruppe während der Konzeptentwicklung ermöglichen, langfristig in Austausch zu treten und das Konzept den sich stetig verändernden Anforderungen anzupassen. Das Sprachförderkonzept wird den Lehrkräften stets aktualisiert benutzerfreundlich im Internet zur Verfügung stehen.

1.2 Auftrag

Das vorliegende Handlungskonzept für Sprachförderung an beruflichen Schulen korrespondiert mit der Empfehlung der Kultusministerkonferenz vom 05.12.2019 und baut auf dieser auf. Die länderübergreifenden Vereinbarungen dienen dabei dem Ziel, die Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit für alle SuS zu verwirklichen. Dieser allgemeine Gleichheitsgrundsatz ist gemäß Art. 3 Abs. 1 GG in den Schulgesetzen aller Länder verankert.

1.2.1 Rechtliche Grundlage durch das Hessische Schulgesetz

Das Hessische Schulgesetz betont im § 3 Abs.14 HSchG die Notwendigkeit der Sprachförderung als Auftrag der Schule:

,,(14) Schülerinnen und Schüler, deren Sprache nicht Deutsch ist, sollen unabhängig von der eigenen Pflicht, sich um den Erwerb hinreichender Sprachkenntnisse zu bemühen, durch besondere Angebote so gefördert werden, dass sie ihrer Eignung entsprechend zusammen mit Schülerinnen und Schülern deutscher Sprache unterrichtet und zu den gleichen Abschlüssen geführt werden können.“ § 3 Abs.14 HSchG

1.2.2 Empfehlung der Kultusministerkonferenz

Die besondere Relevanz der Sprachförderung wird in der Pressemitteilung der Kultusministerkonferenz vom 06.12.2019 deutlich:

Die Kultus- und Bildungsminister verabschiedeten zum Abschluss der hessischen Präsidentschaft Empfehlungen zur Bildungssprache Deutsch und zum sprachsensiblen Unterricht an beruflichen Schulen. Hier wird auf der Basis einer von Hessen geleiteten Arbeitsgruppe erstmals eine gemeinsame Empfehlung mit dem Teil ,,Bildungssprachliche Kompetenzen in der deutschen Sprache stärken” eingebracht. Es finden sich konkrete Praxisempfehlungen für alle Schulen, die bundesweit auf den Weg gebracht werden sollen. Die Länder erhalten so einen Orientierungsrahmen zur Stärkung der bildungssprachlichen Kompetenzen in deutscher Sprache. Dieser Rahmen soll individuelle Ausgestaltungsmöglichkeiten für bestehende und zukünftige Maßnahmen ermöglichen. Es wurde sich auf 10 Grundsätze geeinigt, die die Basis für die erfolgreiche Stärkung bildungssprachlicher Kompetenzen ermöglichen sollen.

10 Grundsätze für eine erfolgreiche Stärkung der Bildungssprache Deutsch:

  1. Sprachliche Bildung und Sprachförderung erfolgen durchgängig und systematisch über alle Bildungsetappen hinweg, vom Übergang aus dem Elementar- in den Primarbereich bis in die Sekundarbereiche der allgemeinbildenden und beruflichen Schulen.
  2. Sprachliche Bildung ist Querschnittsaufgabe aller an schulischer Bildung Beteiligten und durchgängiges Unterrichtsprinzip in allen Fächern, Lernbereichen und Lernfeldern; entsprechende Angebote des Ganztags bieten hier zusätzliche Potentiale.
  3. Konzepte zur sprachlichen Bildung und Sprachförderung sind Teil von Unterrichts- und Schulentwicklung.
  4. Sprachliche Bildung und Sprachförderung tragen zu einer ganzheitlichen Persönlichkeitsentwicklung und Welt- sowie Wertorientierung
  5. Sprachliche Bildung und die gezielte Ausbildung bildungssprachlicher Kompetenzen tragen zur individuellen Begabungsentfaltung
  6. Für die sprachliche Bildung und Sprachförderung wird Mehrsprachigkeit als Ressource verstanden; entsprechende Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler werden erkannt und angemessen genutzt.
  7. Sprachförderung basiert sowohl auf standardisierten als auch informellen Diagnoseverfahren.
  8. Sprachliche Bildung und Sprachförderung orientieren sich an wissenschaftlichen Erkenntnissen und werden nach Möglichkeit durch evidenzbasierte Maßnahmen und Verfahren unterstützt.
  9. Die Digitalisierung ist zugleich Herausforderung und Chance für die sprachliche Bildung und Sprachförderung.
  10. Die Vermittlung von Konzepten der sprachlichen Bildung und Sprachförderung sollte möglichst Bestandteil aller Phasen der Lehrerbildung sein und ist im Rahmen der Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern zu berücksichtigen.”
1.3 Entstehungsprozess des Sprachförderkonzeptes

Um die sprachliche Bildung an allen beruflichen Schulen des Schulamtsbezirkes Schwalm-Eder/Waldeck-Frankenberg gleichermaßen zu fördern, wird bei der Schulleiterdienstversammlung am 19.11.2018 beschlossen, ein gemeinsames Sprachförderkonzept zu erstellen. Mit der Leitung werden die Fachberaterinnen des Aufnahme- und Beratungszentrums (ABZ) Frau Simone Gläser und Frau Martina Lohse beauftragt. Es folgt die Gründung einer Arbeitsgruppe aus Mitgliedern aller fünf beruflichen Schulen des Schulamtsbezirks.

Bei der Zusammensetzung der Arbeitsgruppe wird verstärkt darauf geachtet, dass Erfahrungen und Kompetenzen aus den verschiedenen Bereichen der beruflichen Schulen gebündelt genutzt werden können:

  • aus dem Unterricht InteA
  • aus der Fortbildung oder Weiterbildung DaFZ
  • aus der Teilnahme am Modellversuch ,,Zweiter Berufsschultag”
  • aus dem Dualen System
  • aus der Fachbereichsleitung.

Die Arbeitsgruppe Sprachförderkonzept startet im Februar 2019 mit monatlichen Treffen.

Zunächst geht es darum, eine Bestandsaufnahme im Bereich der Sprachförderung in Form einer schulinternen Analyse zu machen, erste Erfolge, Entwicklungsbedarfe und Schwierigkeiten zu benennen sowie Ziele des Sprachförderkonzeptes zu definieren.

Ab dem Schuljahr 2019/20 können den beteiligten beruflichen Schulen durch das Staatliche Schulamt (SSA) Fritzlar für die Mitglieder der Arbeitsgruppe jeweils bis zu zwei Abordnungsstunden als offizielle Fachberaterinnen und Fachberater zur Erstellung und Implementierung des Sprachförderkonzeptes Schwalm-Eder/Waldeck-Frankenberg zur Verfügung gestellt werden. Dies soll der Wertschätzung der Arbeit dienen, die Fachberaterinnen und Fachberater entlasten und deren Position in den Schulen stärken. Auf Gesamtkonferenzen kommt ihnen die Aufgabe zu, den jeweiligen Entwicklungsstand des Sprachförderkonzepts vorzustellen und Impulse zur Einbindung der Maßnahmen an den Schulen zu geben.

Für den technischen Support und gleichzeitig zur Erweiterung der Projektleitung wird Herr Björn Krawetzke gewonnen.

Die monatlichen Treffen der Arbeitsgruppe Sprachförderkonzept finden weiterhin statt, seit März 2020 aufgrund der Corona-Pandemie in digitaler Form. Allerdings können die für das zweite Halbjahr geplanten Pädagogischen Tage zunächst nicht durchgeführt werden.

Im Schuljahr 2020/21 erfolgen neben der Weiterentwicklung des Sprachförderkonzepts die ersten Schritte zur Verankerung des Konzeptes an den beruflichen Schulen. Als Auftaktveranstaltung finden an allen fünf Schulen Pädagogische Tage statt, für die Herr Prof. Josef Leisen als Referent gewonnen werden kann.  In einer ganztägigen Online-Veranstaltung zum Thema “Sprachbildung und -förderung mit analogen und digitalen Medien im sprachsensiblen Unterricht aller Fächer” erfolgt sowohl eine Sensibilisierung der Kollegien für die Notwendigkeit der Sprachförderung in allen Fächern der beruflichen Schulen als auch eine erste Orientierungshilfe mit konkreten Methodenwerkzeugen.

Darüber hinaus ändert sich mit Beginn des Schuljahres 2020/21 die Zusammensetzung der Arbeitsgruppe. Es werden weiterhin zwei Lehrkräfte als Fachberater/-innen an das ABZ abgeordnet. Die Fachberater/-innen treffen sich wie bisher monatlich in der Arbeitsgruppe. In der Schule findet eine Schwerpunktsetzung in den Aufgaben statt, indem eine Lehrkraft überwiegend für die Weiterentwicklung und Implementierung des Konzeptes zuständig ist, während die andere schwerpunktmäßig die Schulleitung bei der Koordination der DaZ-Förderung, konkret der Erfassung von SuS mit Sprachförderbedarf und der Einrichtung geeigneter Sprachfördermaßnahmen unterstützt. Beide Lehrkräfte fungieren jeweils als schulische Ansprechpartner/-innen und sind als Fachberater/-innen an das SSA Fritzlar abgeordnet.

Von der Arbeitsgruppe Sprachförderkonzept geht der Impuls zur Einbindung aller Maßnahmen in ein Gesamtkonzept ein. Dazu gehören die Abstimmung mit den Schulleitungen und die Kooperation mit den Klassen- und den Fachlehrkräften.

Die AG SFK unterstützt durch die Kontaktpersonen der verschiedenen Schulen den Implementierungsprozess des Sprachförderkonzepts in das Schulprogramm der beruflichen Schulen des Schulamtsbezirks Schwalm-Eder/Waldeck-Frankenberg (SEWF).

1.4 Anspruch und Ziele

Ausgehend vom konkreten Fall eines Schülers/ einer Schülerin nichtdeutscher Herkunftssprache, der/die in eine Vollzeit- oder Teilzeitschulform mündet, sollen die Lehrkräfte sowohl in der Diagnostik, als auch in der Ableitung der Konsequenzen im Umgang mit den Herausforderungen gestärkt und befähigt werden, den Schüler/ die Schülerin beim Spracherwerb und der Festigung des Sprachvermögens in allen Kompetenzbereichen - Hörvermögen, Leseverständnis, mündliche Kommunikation, Schreibkompetenz - zu fördern.

Das Sprachförderkonzept soll Möglichkeiten der Ermittlung der schulischen Bedarfe anbieten, diese darstellen und dabei als Strukturierungshilfe unterstützen, zielgerichtet Konsequenzen der Sprachförderung abzuleiten. Ein wirksamer und zweckgebundener Mitteleinsatz soll gewährleistet werden. Hierzu können Literaturempfehlungen dienen.

Das Sprachförderkonzept dient als Leitfaden für den zielgerichteten Umgang mit den besonderen Anforderungen der Sprachförderung von SuS nichtdeutscher Herkunftssprache.

Die Sprachförderung soll aufbauend auf den vorher stattgefundenen Intensivmaßnahmen und Intensivklassen konsequent fortgesetzt werden können.

Beginnend mit der Systematisierung der Sprachstanddiagnostik soll die Kontinuität der Förderung sowie eine höhere Verbindlichkeit der Fördermaßnahmen durch Ziel- und Leitungsvereinbarungen gewährleitstet werden.

Darauf aufbauend helfen smarte Zielsetzungen im Coaching der SuS mit individuellen Fördervereinbarungen zwischen den Lehrkräften und der Schülerschaft.

Ein abgestimmtes Systemmonitoring soll den Prozess der Implementierung evaluieren. Auch soll eine regelmäßige Evaluation der Maßnahmen des Sprachförderkonzepts und damit einhergehend die Verankerung des Konzepts im Schulprogramm vorgenommen werden.

2. Sensibilisierung der Lehrkräfte
Sprachsensibles Handeln

2 Sensibilisierung der Lehrkräfte

Sprachfoerderkonzept SensibilisierungViele SuS, auch Deutsch-Muttersprachler, haben Schwierigkeiten mit der Fach- und Bildungssprache, da ihre Alltagssprache häufig stark von der mündlichen, aber auch schriftlichen Sprache im Unterricht abweicht. Die Alltagssprache „verzeiht" Fehler (z. B. im Satzbau, s. Abb. 1), die Fach- und Bildungssprache hingegen nicht oder nur bedingt.

Die Fach- und Bildungssprache geht über das Erlernen der Alltagsprache hinaus und fordert von den SuS insbesondere im schriftsprachlichen Bereich fundierte Kenntnisse. Sie ist die Grundlage der Lehrbücher, Klausuren und Abschlussprüfungen (u. a. der Industrie- und Handelskammer sowie Handwerkskammer) und ihr Verständnis somit essentiell, um schulische und berufliche Ziele erreichen zu können.

Sprachfoerderkonzept Sensibilisierung WhatsAppDie Alltagssprache unserer Lernenden bedient sich zum Teil umgangssprachlicher Begriffe, wie z. B. posten, snappen, googeln, plaudern und steht der Fach- und Bildungssprache somit kontrastierend gegenüber. Erläutern, modellieren, protokollieren, argumentieren (entsprechen z. B. den Operatoren der (Abschluss-) Prüfungen) sind nur einige Beispiele, mit denen die Lernenden im schulischen Kontext „arbeiten“ müssen. Der Spagat zwischen Alltags- und Fach- bzw. Bildungssprache stellt nicht nur sprachschwache Lernende in Teilzeitschulformen (Lernende nicht deutscher Herkunftssprache, mit Migrationshintergrund, mit niedrigem Bildungsstand, geringer fachlicher Bildungssprache, Lernschwächen und Lernschwierigkeiten) vor zum Teil unüberwindbare sprachliche Hürden, sondern kann ebenfalls SuS der Vollzeitschulformen betreffen. Sprachsensibles Agieren hat eine große Bedeutung für jede Lehrkraft.

2.1 Sprachsensibles Handeln

Um für die Lernenden diese Hürden überwindbar zu machen, können wir für sie als Lehrkraft bei der Sprachförderung zielführend Unterstützung leisten (Abb.: Die sprachsensible Lehrkraft).

Was hilft uns, sprachsensibel zu handeln? – Es kann sinnvoll sein, die unterschiedlichen Sprachniveaus der SuS bewusst wahrzunehmen und bedürfnisorientierte Unterstützungsangebote zu generieren, z. B. durch differenzierte Aufgabenformate (dem Sprachniveau angepasste Texte: Umschreiben der Texte (verschiedene Niveaustufen), Worterläuterungen in der Fußnote, erklärende Bilder und Grafiken), durch differenzierte Zugänge (z. B. auditive Medien (Hörbücher, Texte selbst einsprechen, Erklärvideos).

Auch kulturelle Unterschiede und/oder eine andere Mutter- und Familiensprache können ein Anhaltspunkt für einen möglichen sprachlichen Unterstützungsbedarf sein. Diese sollten erkannt und bestmöglich Schlussfolgerungen daraus gezogen werden, indem man bspw. die Erwartungen reduziert, das Lerntempo und die Lerndichte minimiert oder die Muttersprache im Lernprozess zulässt. Denn als (sprachsensibilisierte/r) LuL handeln wir bedacht und zeigen Verständnis für die Lebenswelten, wahrzunehmenden „besonderen“ Aufgaben und Schwierigkeiten unserer SuS. Es kann hilfreich sein, sich regelmäßig mit den Klassenleitungen, erfahrenen Kollegen, Sozialpädagogen/-pädagoginnen und ggf. Bezugsbetreuer/in der SuS auszutauschen, um die jeweiligen Lebensumstände besser erfassen und ein Bewusstsein für die eigenen Lernenden erzeugen zu können.

Insbesondere Lernende nicht deutscher Herkunftssprache sind oftmals mit uns nicht bekannten Alltagsituationen konfrontiert, wie das Wahrnehmen außerschulischer Termine, z. B. mit der Ausländerbehörde (möglicherweise aufgrund einer drohenden Abschiebung), mit dem Jobcenter, der Agentur für Arbeit, dem Sozialamt, dem Jugendamt, Gerichten oder Anwälten. Auch während des Unterrichts können sich Schüler nicht deutscher Herkunftssprache mit persönlichen und emotionalen Nachrichten konfrontiert sehen, die z. B. das Wohl der Familie im Heimatland betreffen (u. a. Anrufe aus dem Heimatland, Nachrichten über eine veränderte Situation im Heimatland/mit der Familie (z. B. Angriffe, Krieg, Todesfälle etc.). Diese oder ähnliche besondere Situationen fordern Verständnis seitens der Lehrkraft und ein Feingefühl im Umgang mit dem Schüler/der Schülerin, aber auch mit den Klassenkameraden des betreffenden Lernenden.

2.2 Wie kann ich als Lehrkraft noch besser sprachsensibel agieren?

Um sich als Lehrkraft noch besser für das Thema Sprachförderung zu sensibilisieren, kann eine Weiterbildung in Form unterschiedlicher Fortbildungsangebote zielführend sein. Die Lehrkräfteakademie bietet ein breites Spektrum an Fortbildungen zur Sprachförderung. Interessante und artverwandte Themenbereiche sind bspw.: Sprachsensibilisierung, Sprachsensibler Fachunterricht, Interkulturelle Kommunikation, Heterogenität, Anti-Radikalisierung, etc.

Fortbildungsangebot der Lehrkräfteakademie: https://akkreditierung.hessen.de/catalog

Für eine erste Sensibilisierung in der Klasse, aber auch im Kollegium, z. B. im Rahmen von Gesamtkonferenzen, Fachbereichskonferenzen etc. kann ein gemeinsames Einfühlen in die Situation der Lernenden, die mit sprachlichen Hürden zu kämpfen haben, sinnvoll sein.

Dafür bietet sich u. a die abgewandelte Aufgabenstellung zum physikalischen Kerzenversuch an, die im Folgenden erläutert wird (Abb.: Kerzenversuch):

Sprachfoerderkonzept Sensibilisierung Kerzenversuch

Eine weitere Möglichkeit für eine gemeinsame Sensibilisierung in der Klasse und / oder im Kollegium kann das interkulturelle Simulationsspiel „Bafa-Bafa“ sein. Das „Bafa-Bafa“- Spiel zählt zu den erfahrungsorientierten Methoden im Rahmen von interkulturellen Trainings und hat u. a. die Ziele, ein Verständnis über die eigene und fremde Kultur zu entwickeln sowie einen Umgang mit der anderen Kultur zu üben.

Während des Spiels treffen zwei Gruppen mit unterschiedlichen kulturellen Regeln aufeinander und versuchen miteinander in Kontakt zu treten. In dieser Simulation erleben die Spielerinnen und Spieler im Sinne einer Selbsterfahrung, wie es sich anfühlt, auf eine andere Kultur zu treffen und zu welchen Missverständnissen das Aufeinandertreffen führen kann. Das Ziel dieses Simulationsspiels ist, die kulturellen Regeln des anderen Teams zu verstehen und erklären zu können.

3. Erfassung der SuS mit Sprachförderbedarf und Diagnostik
Warum Diagnostik? / Anleitung für die Koordination / Profilanalyse / Musterformulare / Auswertungstabelle

Sprachfoerderkonzept Diagnostik

3.1 Warum Diagnostik?

Um SuS nichtdeutscher Herkunft zielgerichtet zu fördern, ist die Diagnostik des Sprachstandes notwendig, um daraus entsprechende Förderpläne (siehe Kapitel „Lernen begleiten“) und Fördermaßnahmen ableiten zu können.

3.2 Anleitung für die Koordination

Die DaZ-Koordinatoren/innen an den jeweiligen Schulen ermitteln anhand der LUSD zu Beginn eines neuen Schuljahres die Namen aller Vollzeit- und Teilzeitschülerinnen und Schüler mit Förderbedarf im Bereich Deutsch als Zweitsprache (DaZ). Hierfür wenden sich die Koordinatoren/innen an das Sekretariat.

Schritt 1: Erforderliche Kriterien zur Ermittlung des Förderbedarfs

  • Zuzugsdatum in die BRD seit dem Jahr 2010 (Stand 2020)
  • Familiensprache nicht Deutsch
  • Staatsangehörigkeit nicht Deutsch

> Ist eines dieser Kriterien erfüllt, kann eine Deutschförderung erfolgen.

Folgende Angaben sollten in der Liste ebenfalls angegeben werden:

  • Aktuelle Klassenleitung
  • Aktuelle Klassenbezeichnung
  • Vollzeitschüler/-in (Vor- und Nachname) und/oder Teilzeitschüler/-in

Schritt 2: Verfassen einer E-Mail an Klassenlehrer/innen

 - Muster-E-Mail -

Betreff: Ermittlung DaZ-Förderung in Ihren Klassen

Sehr geehrte Klassenlehrer/innen,

in der angehängten Liste sind die Schüler/innen aufgeführt, die in der LUSD als Schüler/innen nichtdeutscher Familiensprache verzeichnet sind und somit eine Berechtigung zur Teilnahme am DaZ-Förderunterricht haben.

Sicher wissen Sie aus eigener Erfahrung, dass zweisprachig aufgewachsene Schüler/innen nicht selten in der Lage sind, sich besonders gut und gewandt auszudrücken. Einige von ihnen benötigen jedoch, insbesondere wenn sie erst seit Kurzem in Deutschland sind, eine gezielte sprachliche Förderung (v.a. im Bereich der Bildungssprache).

Daher möchten wir Sie bitten, uns bis zum XX.XX.XXXX mitzuteilen, welche der aufgeführten Schüler/innen Ihrer Meinung nach eine DaZ-Förderung in Anspruch nehmen sollten. Um die Teilnahme am DaZ-Unterricht verbindlich zu machen, benötigen wir einen Klassenkonferenzbeschluss für Vollzeitschüler/innen und die Zustimmung des Betriebes für Teilzeitschüler/innen.

Sollten Ihnen in Ihren Klassen weitere Schüler/innen aufgefallen sein, die nicht in der LUSD aufgelistet sind und die aufgrund ihres Migrationshintergrundes einer DaZ-Förderung bedürfen, so melden Sie diese bitte an uns und das Sekretariat zurück.

Bei Fragen stehen wir Ihnen gern zur Verfügung

Kontakt/E-Mail der Koordinatoren

Wir danken Ihnen für Ihr Verständnis und Ihre große Mithilfe!

Mit freundlichen Grüßen

Schritt 3: Verfassen einer E-Mail an Betriebe

- Muster-E-Mail -

Adresse Ausbildungsbetrieb

Empfehlungsschreiben

Sehr geehrte Damen und Herren,

bei der/dem Auszubildenden _______________________________________________

wurden sprachliche Defizite festgestellt.

Der erfolgreiche Abschluss einer Berufsausbildung, insbesondere im Bereich der theoretischen Prüfung, sowie die erfolgreiche Teilnahme an den Bildungsgängen zur Berufsvorbereitung (BzB) ist deshalb stark gefährdet.

Wir empfehlen dringend den Besuch eines DaZ-Förderkurses, um die Sprachkompetenzen weiter auszubauen, und bitten um die Freistellung für die Sprachfördermaßnahme.

Für die weitere Planung setzen Sie sich bitte mit der Klassenlehrerin/dem Klassenlehrer in Verbindung.

Mit freundlichen Grüßen

Name und Kontaktdaten der Klassenlehrerin/des Klassenlehrers

Schritt 4: Übermittlung der Anzahl der förderbedürftigen Schüler/innen

  • Nach Aktualisierung und Überprüfung der LUSD-Daten, leiten Sie die Anzahl der förderbedürftigen Schüler/innen an die Schulleitung/Abteilungsleitung weiter, damit entsprechende Kurse eingerichtet werden können.

Information: Wie erfolgt die zusätzliche Zuweisung von Unterrichtsstunden?

    • Wenn die Daten der SuS in der LUSD (Lehrer- und Schülerdatenbank) eingepflegt sind, erfolgt für die Teilzeitberufsschule eine zusätzliche Zuweisung von vier Unterrichtsstunden pro Woche (3 Unterrichtssunden für Fachlehrer/in plus 1 Stunde für die DaZ-Lehrkraft durch das HKM). Die Mindestgruppengröße für diesen Zusatzunterricht beträgt zurzeit acht Auszubildende pro Jahrgangsstufe berufsfeldbezogen oder berufsfeldübergreifend.
    • Seit dem Schuljahr 2020/2021 erfolgt eine zusätzliche DaZ-Förderstundenzuweisung durch das Staatliche Schulamt. Dem Staatlichen Schulamt steht eine Gesamtmenge an DAZ-Förderstunden zur Verfügung, die auf die allgemeinbildenden und die beruflichen Schulen verteilt werden. Hier gilt ein anderer Zuweisungsschlüssel. Ab dem/der ersten förderbedürftigen Schüler/in (nach Ermittlung und Testung durch Klassenkonferenz festgelegt) werden im Bereich DAZ zwei Stunden zugewiesen. Ab dem/der neunten Schüler/in vier Stunden, dann jeweils nach acht Schülern/innen zwei weitere Stunden. Die Gesamtzahl der förderbedürftigen Schüler geteilt durch acht ergibt die Summe der zugewiesenen Stunden für jede Schule.
    • Es werden nur die Stunden zugewiesen, die als Zusatzkurse und Förderkurse ausgewiesen sind. Die Eintragung muss bis zum Datenabzug am 1. November vorgenommen werden. Nur dann können die Stunden für das erste Halbjahr zugewiesen werden. Zum 1. Februar erfolgt erneut eine Abfrage, auf deren Basis für das zweite Halbjahr zugewiesen wird.
  • Klassenlehrer/innen der Teilzeitklassen senden Empfehlungsschreiben an die Betriebe und bitten um deren Zustimmung (s. Musterschreiben).

Schritt 5: Sprachstandsdiagnose

Eine gemeinsame Beschulung von Sprachanfängern (A1), Sprachfortgeschrittenen mit grundlegenden Kenntnissen (A2) und Lernenden, die die Sprache bereits schriftlich und mündlich relativ sicher anwenden (B1/B2), kann die individuelle Sprachförderung erschweren. Aus diesem Grund ist eine Sprachstandsdiagnose zu Beginn eines Kurses empfehlenswert, um adäquate und dem Spracherwerb dienliche Fördermaßnahmen mit Sprachstandunterscheidungen anbieten zu können (ggf. mit einer angepassten Kurszusammensetzung). Dazu eignen sich mehrere Diagnoseinstrumente, empfehlenswert ist die Profilanalyse, die im Idealfall von geschultem Lehrpersonal durchgeführt wird.

3.3 Profilanalyse nach Grießhaber
3.3.1 Was ist die Profilanalyse?

Die Profilanalyse ist ein diagnostisches Tool, das die deutschen Sprachkenntnisse mit Deutsch als Zweitsprache erfassen soll. Das Verfahren eignet sich für alle Altersstufen und alle Bildungsetappen.

3.3.2 Worauf wird bei der Profilanalyse geachtet?

Anhand der Wortstellung, welche Kinder, Jugendliche oder Erwachsene verwenden, wird die grammatische Komplexität eines von ihnen produzierten Textes oder einer mündlichen Erzählung analysiert.

3.4 Ziele der Diagnostik
  • Ermittlung des aktuellen Sprachstandes nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen (GER)
    • (Alphabetisierung, A1, A2, B1, B2, C1, C2)
  • Ermittlung der Verfügbarkeit sprachlicher Mittel
    • (Wortschatz/Vokabular und kommunikative Kompetenz)
  • Ermittlung der Art und Weise des Schreibens
    • (Rechtschreibung, motorische Schreibweise)
  • Ermittlung der anschließenden Förderung durch
    • Einteilung in geeignete Sprachförderkurse (ggf. außerschulische Nachhilfeinstitutionen)
    • Förderplan
3.5 Musteraufgabe: Sprachdiagnose (Profilanalyse)

Eine Musteraufgabe und die zugehörige Auswertungstabelle sowie eine Erfassungsliste finden Sie anbei:

Musteraufgabe: Sprachdiagnose (Profilanalyse)

Name:........................................................................................

Klasse:.............................................

Datum:............................................

Muttersprache:.........................................................................

Seit wann sind Sie in Deutschland ?:........................................

Aufgabe:

Schreiben Sie einen zusammenhängenden Text mit mindestens 20 Sätzen.

  1. Erzählen Sie über sich.

    (Name, Herkunft, Sprache, Wohnort, Tätigkeit)
  1. Berichten Sie von einem Tag, einem Wochenende, einem Ereignis oder Erlebnis

    (Fest, Geburtstag, Ausflug, Klassenfahrt, Berufswunsch usw.)

Achten Sie auf die Groß- und Kleinschreibung und Zeichensetzung

  • Mm Oo Ss Pp Tt
  • Punkt, Komma, Ausrufezeichen, Fragezeichen

Verwenden Sie Haupt- und Nebensätze

  • weil-Sätze, dass-Sätze, wen-Sätze, ob-Sätze usw.

Variieren Sie bei den Satzanfängen

Zuerst, anschließend, stattdessen, weiterhin, usw.

3.5.1 Auswertungstabelle der Profilanalyse

Das Gesamtprofil ergibt sich aus der höchsten Stufe, welche innerhalb eines Textes
mindestens drei Mal zugeordnet wurde.

Vorbemerkung

Sprachfoerderkonzept Profilanalyse1

Verbstellung und Stufen

Sprachfoerderkonzept Profilanalyse2

Gesamtprofil

Sprachfoerderkonzept Profilanalyse3

4. Lernen begleiten
Absprachen im Kollegium / Förderpläne / Lernverträge / Lernunterstützung / Methoden zur Lernbegleitung

4 Lernen begleiten

Sprachfoerderkonzept Lernen begleitenImmer wieder, wenn es um Fragen der Gestaltung und Umsetzung notwendiger Bildungsmaßnahmen und Innovationen geht, stehen LuL im Zentrum der Aufmerksamkeit. So werden hohe Erwartungen an die LuL gestellt, um die individuellen Leistungs- und Persönlichkeitsentwicklungen der SuS bestmöglich zu fordern bzw. fördern.

Gesellschaftliche Entwicklungen wie z.B. Heterogenität der Lernvoraussetzungen und Lernausgangslagen der SuS, die Vielfalt familiärer Lebensformen und kulturelle Lebensstile, der freie Zugang zu Wissen und die schnelle Veränderung an berufliche Anforderungen, machen eine Schwerpunktverlagerung vom Lehren zum Lernen, vom Be-Lehren zum individuellen Begleiten einzelner SuS erforderlich.

Gefordert wird deshalb zunehmend eine Gestaltung von Unterrichtseinheiten, die interaktiv und anregend und die Begleitung und Unterstützung von selbstgesteuerten Lernprozessen ist. Ein solches unterrichtliches Handeln im Sinne der Lernbegleitung wird ein besonderes Potenzial zugemessen:

  • Im adaptiven Umgang mit heterogenen Lernvoraussetzungen
  • Zu einem aktiven, selbstständigem lebenslangem Lernen[1]

Die Lernbegleitung spielt also im Schulalltag eine große Rolle und gewinnt gerade seit den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung. Damit diese gut gelingen kann, sind vorherige Diagnostik und entsprechende Förderpläne erforderlich, weshalb das Themengebiet auch eng mit dem Kapitel „Diagnostik” zusammenhängt. Außerdem sind in jedem Fall engmaschige und häufige Absprachen (mehrmals pro Halbjahr), zwischen der DAZ-Lehrkraft und der Klassenlehrkraft, unabdingbar.

[1 ]Vgl. Perkhofer-Czapek/Potzmann 2016, S. 17f., S. 61f.

4.1 Absprache an der Schule und Konferenzen

Damit die SuS bestmöglich begleitet, gefordert und gefördert werden, ist es zunehmend wichtig, sich im (Klassen-)Team abzustimmen und gemeinsame Wege zu gehen. Den SuS Transparenz im Vorgehen verdeutlichen und sie in die Prozesse mit einbeziehen, spielen hierbei auch eine wichtige Rolle. Des Weiteren sind die Absprachen mit externen Berater/innen nicht zu vernachlässigen. Auf diese wichtigen Absprachen und Konferenzen, die im Hinblick auf die Sprachförderung wichtig sind, sollen im Folgenden genauer eingegangen werden.

4.1.1 Teamarbeit und Absprachen im Kollegium

Die sprachliche Heterogenität an unseren Schulen hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen und wird sich auch in den nächsten Jahren weiter fortsetzen. Die LuL sollen auf diese Umstände entsprechend reagieren und die SuS sprachlich fördern. Diese umfangreiche und anspruchsvolle Aufgabe kann jedoch nicht jede Lehrkraft für sich alleine leisten. Das ist Aufgabe der gesamten Schule.

Eine Schule, die vor genau dieser Herausforderung steht, sollte langsam und behutsam diesen komplexen Bereich bearbeiten. Wichtig dazu sind innerliche und äußerliche Vernetzungen.

Vernetzungen nach außen:

  • Arbeitskreise, Zusammenarbeit mit anderen Schulen
  • Lehrerfortbildungen
  • Unterstützung von der Schulaufsicht
  • Unterstützung durch Universitäten

Vernetzung nach innen:

  • Organisatorische Vernetzungen
  • Ausbildung von Sprachförderkoordinatoren/innen in allen Fächern (ggf. Arbeitsgruppe bilden)
  • Absprachen zwischen Schulleitung, Fachschaften, Jahrgangsstufenteams und den Sprachförderkoordinatoren
  • Schulleitung und didaktische Leitung müssen den Schulentwicklungsprozess steuern und diesen nach außen und innen absichern

Inhaltliche Vernetzung:

  • Absprachen zur Sprachstandsdiagnostik (siehe Kapitel „Diagnostik”)
  • Absprachen über Organisation der additiven Sprachförderung
  • Schwerpunkte der Sprachförderung definieren
  • Förderkurse einrichten[1]

Um diese inhaltliche Vernetzung an den einzelnen Schulen sicherzustellen, bietet es sich an, eine Arbeitsgruppe einzurichten, in der möglichst Lehrkräfte aus allen Abteilungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Fächern zusammenarbeiten. Damit kann eine allgemein gültige Vorgehensweise an der Schule festgelegt und ein Materialpool aufgebaut werden, der allen Lehrkräfte für die konkrete Unterrichtsgestaltung nützlich ist.

[1] Vgl. Weis 2013, S.118/119

4.1.2 (Klassen-)Konferenzen

Zusätzlich zu den Teamabsprachen und Absprachen zu Förderplänen, sind Klassenkonferenzen einzuberufen, wenn über die gesamte Klasse oder einzelne SuS Abstimmungen getroffen werden, die vom Kollegium entschieden werden müssen.

Klassenkonferenzen erörtern alle Fragen der Unterrichts- und Erziehungsarbeit in der Klasse. Neben Berichten über das Arbeits- und Sozialverhalten der SuS, werden hier im Rahmen der Rechts- und Verwaltungsvorschriften insbesondere über Versetzung, Kurseinstufung, Zeugnisse und Abschlüsse der SuS Entscheidungen getroffen. Eine Klassenkonferenz ist auch für die Teilnahme an den DAZ-Förderkursen notwendig. Hier muss die Konferenz die Teilnahme am Kurs befürworten oder ablehnen und den Beschluss an die DAZ- Koordination der jeweiligen Schule weitergeben. Weitere Absprachen zur individuellen Förderung sind dann zwischen DAZ-Lehrkraft und Klassenlehrkraft zu treffen, um das Lernen bestmöglich zu begleiten.

Die Teilnahme an der jeweiligen Klassenkonferenz ist für alle in einer Klasse unterrichtenden Lehrkräfte verpflichtend (siehe § 135 HSchG Klassenkonferenzen).

Ein Überblick zur Klassenkonferenz

Wann?

  • regelmäßig und verbindlich
  • einmal im Halbjahr

Wer?

  • der/die Klassenlehrer/in lädt ein
  • LuL der Klasse nehmen daran teil

Wie?

  • der/die Klassenlehrerin lädt alle in der Klasse unterrichtenden LuL per Einladung zwei Wochen vor dem entsprechenden Termin ein, die Klassenlehrkraft leitet
  • Ergebnisse werden im Protokoll festgehalten

Was?

  • Klassensituation
  • Arbeits- und Sozialverhalten der SuS
  • Kurseinstufung, Zeugnisse und Abschlüsse
  • Förderplan oder -maßnahmen besprechen
  • Teilnahme am DAZ-Förderunterricht abstimmen

Schulformkonferenzen sind einzuberufen, wenn Themen besprochen werden, die die gesamten Schulformen betreffen, z.B. für bestimmte Klassen wird beschlossen ein neues Buch anzuschaffen, ein neues Projekt wird eingeführt oder es wird beschlossen, mit welchen Materialien zum sprachsensiblen Fachunterricht mit einem gesamten Jahrgang gearbeitet werden soll etc.

4.2 Dokumentation der Lernerfolge/Förderpläne

Förderpläne dienen wegen ihrer übersichtlichen Darstellung als Arbeitsplan für die beteiligten Lehrkräfte und bilden somit das Grundgerüst der pädagogischen Förderarbeit. Förderpläne sind zeitlich begrenzt und müssen regelmäßig überprüft und angepasst werden. Für das Gelingen eines Förderplans ist die vorherige Analyse des Sprachstandes (z.B. Profilanalyse, C-Test, Einstufungstests aus Sprachbüchern) notwendig. Der Förderplan sollte dabei nicht mehr Zeit in Anspruch nehmen als die eigentliche Förderung selbst. Deswegen wird in Literaturquellen vorgeschlagen, für einen Förderplan im besten Fall nicht mehr als eine DinA4-Seite zu veranschlagen.[1] Die äußere Form ist dabei nicht vorgeschrieben, es ist aber zu empfehlen, sich schulintern auf eine Form zu einigen. So bleibt der Förderprozess sowohl für SuS als auch für LuL unabhängig der einzelnen Schulformen transparent und leicht nachvollziehbar.

[1] Vgl. von Plüschkow, Alexandra o.J. URL: https://www.forrefs.de/grundschule/diagnose-und-foerderung/foerderplaene-entwickeln/der-foerderplan-so-unterstuetzen-sie-ihre-schueler.html

4.2.1 Ziele des Förderplans
  • Dokumentation des Lernstandes und der schon angelegten Kompetenzen der SuS
  • Festlegung, welche Kompetenzen wie und bis wann erlangt und/oder gefördert werden sollen
  • dient als Arbeitsplan für die jeweils unterrichtenden Lehrkräfte
  • dient als Entwicklungsplan für die SuS
  • Abstimmung des Unterrichts auf die Ausgangslage der SuS
  • ggf. Grundlage zur Beantragung zusätzlicher Nachhilfe
  • Sprachförderangebote in Schulen ermitteln
4.2.2 Leitfaden Diagnose/Förderplan

Leitfaden für den Prozess der pädagogischen Diagnostik[1]

Was?

  • hält Absprachen zur pädagogischen Zusammenarbeit konkret fest
  • Umfeld des Jugendlichen
  • individuelle Ausgangslage und Lernentwicklung
  • fachliche/überfachliche Kompetenzen und deren Entwicklung
  • Lernwege/Denkweisen und Vorstellungen des Schülers/der Schülerin

Wann und wie oft?

  • punktuell mehrmals im Jahr
  • in bestimmten Zusammenhängen bzw. an Schlüsselstellen des Fachunterrichts

Wer von wem?

  • insbesondere Klassenlehrer/in und oder Fachlehrer/in stellt Förderbedarf einzelner SuS fest
  • einzelne SuS von allen LuL
  • ggf. weitere Beobachter einbeziehen (Schüler oder Schülerin selbst, Sozialpädagogen, Erziehungsberechtigte…)

Welche Verfahren?

  • Welche Verfahren sind vorhanden und welche Erfahrungen gibt es damit?
    • Beispiele[2]:
    • Befragungen (Gespräche mit Schülern, Eltern, außerschulische Partner)
    • Fehleranalyse (Beobachtung der Schreib-/Sprachentwicklung (Schülertexte, mündliche Schüleräußerungen, Tonaufnahmen)
    • Selbsteinschätzung
    • Analyseverfahren (Profilanalyse nach Grießhaber: vgl. Kapitel „Diagnostik”)
    • Testverfahren (C-Test, Duisburger Sprachstandstest)
    • Darüber hinaus können auch Onlinetests oder Tests aus Sprachbüchern herangezogen werden.
  • Welches Verfahren man wählt, ist abhängig davon, welches Ziel man erreichen möchte - zunächst genügt ein einfaches und weniger aufwändiges Verfahren (z. B. über Einstufungstests in Sprachbüchern oder Onlinetests)
  • Zur besseren Nachvollziehbarkeit und Transparenz für alle Beteiligten, sollte man sich schulintern auf ein Diagnose-/ Testverfahren einigen. Die Beobachtungskompetenzen der Lehrkräfte sollten dabei die wichtigste Säule darstellen[3].

Umgang mit ermittelten Daten

  • Förderplan sollte dem Schüler/ der Schülerin in einem Gespräch vermittelt und erläutert werden
  • Wo werden Daten gesammelt, damit die Kollegen ebenso an diese Informationen gelangen?
  • Aufbewahrungsort individuell durch Schule festzulegen
  • In einer Klassenkonferenz den Kolleginnen und Kollegen die Förderziele zugänglich machen

Auswertung der Förderplanung

  • Reflexion und Weiterentwicklung des Förderplanes:
    • Was ist gelungen?
    • Welche Ziele konnten nicht erreicht werden?
    • Wie kann man die Hürden beseitigen?
    • Muss die Unterstützung vergrößert oder reduziert werden?
    • Wie können die Erfolge sichtbar gemacht werden (Indikatoren)?
    • Was sind die nächsten Schritte/Ziele?

[1] Vgl. Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung München 2008, URL: https://www.isb.bayern.de/schulartsprezifisches/materialien/p/paedagogisch-diagnostizieren-im-schulalltag
[2] Vgl. Weis 2013, S. 53
[3] Vgl. Weis 2013, S. 64

4.2.3 Wie schreibe ich einen Förderplan?

Bevor ein Förderplan verschriftlicht wird, muss eine Bestandsaufnahme erfolgen. Hierbei werden alle verfügbaren Daten und Informationen über den Schüler/ die Schülerin erhoben. Das können sein:

  • individueller Lernvertrag (wenn vorhanden)
  • Arbeitsergebnisse (z. B. Portfolio, Lernjournal, Lesetagebücher etc.)
  • Sprachstandsanalysen/ und –tests (siehe bspw. Profilanalyse nach Grießhaber)
  • Gutachten anderer Stellen (sonderpädagogische/schulpsychologische Beratung, Ärzte, Jugendamt...)

Wie bereits im Eingang des Kapitels erwähnt, sollte ein Förderplan nicht mehr Raum als eine DIN-A4-Seite einnehmen.

So können Sie bei der Dokumentation vorgehen:

  • In der Kopfzeile den Namen der SuS notieren, für den/die der Förderplan gilt
  • Klasse festhalten, die er/sie besucht
  • Sich als Förderlehrkraft nennen
  • Dokumentieren, welche anderen Kollegen/innen beteiligt sind (Fachlehrkräfte, Klassenlehrkräfte)
  • Ein Teil des Planes sollte sich auf Arbeits- und Sozialverhalten der SuS beziehen (Rücksprachen mit Kollegen/innen), welche Beobachtungen wurden bisher gemacht? Diese aufschreiben
  • Schwerpunkte der Förderung setzen (z.B. Fächer)
  • Festlegen, wie die SuS in ihrer allgemeinen Entwicklung gefördert werden können/sollen
  • Alle Maßnahmen müssen im (Klassen-)Team beschlossen und dokumentiert werden[1]

[1] Vgl. von Plüschkow, Alexandra o.J., URL: https://www.forrefs.de/grundschule/diagnose-und-foerderung/foerderplaene-entwickeln/der-foerderplan-so-unterstuetzen-sie-ihre-schueler.html

4.2.4 Vorlage eines Förderplans

Mustervorlage Förderplan zum Download

Sprachfoerderkonzept Vorlage eines Foerderplans

4.2.5 Förderplanarbeit als Prozess

Nach dem Erstellen des Förderplans folgen konkrete Fördermaßnahmen. Diese werden zum einen im Förderunterricht und zum andern im sprachsensiblen Fachunterricht (siehe Kapitel „Sprachsensibler Fachunterricht”), ggf. mit sprachbildenden Hausaufgaben umgesetzt. Bei den sprachbildenden Hausaufgaben werden Texte von den SuS vorstrukturiert, Wörter markiert und unbekannte Begriffe nachgeschlagen[1].

Die betreffenden Fördermaßnahmen sind stets zeitlich begrenzt und müssen immer nach einem festgelegten Zeitraum ausgewertet und reflektiert werden. Danach wird der Förderplan weiterentwickelt. Förderplanarbeit ist ein fortlaufender, sich immer wiederholender Prozess.

Sprachfoerderkonzept FoerderplanarbeitProzess

[1] Vgl. Weis 2013, S. 121f.

4.3 Lernverträge

Auch Lernverträge sind ein wichtiges Instrument, um das Lernen der SuS zu begleiten. Wie das mit Hilfe eines Lernvertrages gelingen kann, wird nachstehend erläutert

4.3.1 Warum sind Lernverträge sinnvoll?

Lernverträge ...

  • legen fest, welche Ziele die Lernenden erreichen wollen
  • machen sichtbar, was die SuS zum Erreichen ihre Ziele tun wollen
  • heben hervor, welche Unterstützung die SuS brauchen
  • verdeutlichen, wie die Lernenden den Lernerfolg überprüfen können
  • fördern die Sozialkompetenz
  • Legen ggf. Regeln zur Pünktlichkeit, Fehlzeiten, Sozialverhalten, Selbstorganisation, Organisation der Arbeitsmaterialien etc. fest
4.3.2 Ziele des Lernvertrages
  • Gemeinsame Planung des Lernprozesses und dessen Transparenz für Lernende und Lehrende
  • SuS erkennen Lernbedarf selbst und leiten daraus ihre Lernziele ab
  • Nötige Arbeitsschritte werden festgelegt und festgehalten
  • Kriterien zur Erfolgsmessung können von Lernenden selbst bestimmt werden
  • SuS übernehmen Verantwortung für ihren eigenen Lernprozess
4.3.3 Ablauf eines Lernvertrages
  1. Feststellung des Lernbedarfs (Wo stehe ich?)
  2. Festlegung der Lernziele (Was möchte ich erreichen?/ Was nehme ich mir vor?)
  3. Festlegung der Lernschritte und -materialen (Was will ich tun?/ Wer kann mir dabei helfen?)
  4. Bestimmung des Zeitrahmens (Welche Zwischenschritte sind erforderlich? Wann will ich dieses Ziel erreichen?)
  5. Festlegung der Erfolgskriterien (Woran erkenne ich, dass mein Ziel erreicht habe? Mit wie viel Erfolg rechne ich?)
  6. Überprüfung durch Lernbegleitung
  7. Ausführen der Lernschritte
  8. Evaluation
4.3.4 Digitale Unterstützung

Eine virtuelle Pinnwand wie beispielsweise Padlet kann helfen, den Lernvertrag aufzustellen und zu be- und überarbeiten.

4.3.5 Mustervorlage Lernvertrag

Mustervorlage Lernvertrag zum Download

Sprachfoerderkonzept Mustervorlage Lernvertrag

4.4 Möglichkeiten der Lernunterstützung: SuS helfen SuS

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie sich SuS gegenseitig unterstützen können. Diese Lernarrangements für SuS als Lernhelfer können beispielsweise sein:

  1. Gegenseitiges Helfen beim individualisierten und binnendifferenzierten Lernen: Hierbei arbeiten die SuS alleine oder miteinander in unterschiedlichem Tempo an differenzierten Aufgaben und Materialien. Lehrende nehmen in solchen Lernarrangements die Rolle als Berater/in ein, dabei sind sie auf die Unterstützung der SuS angewiesen. Konkret bedeutet das, anderen Lernenden etwas erklären oder Arbeiten durchsehen und kommentieren. Die Kompetenz des Helfens muss in solchen Prozessen erlernt werden und wird gestützt durch konkrete Phasen, in denen geplant ist, wer wem wann hilft oder an wen man sich bei Fragen wenden kann.
  2. Gegenseitiges Helfen in kooperativen Lernformen werden seltener diskutiert und sind dennoch genauso bedeutsam wie die im ersten Punkt genannte Form des Helfens. Das Helfen von SuS zu SuS kann hierbei in folgenden Bereichen unterstützen:
    • Aktivierung und Austausch von Voraussetzungen
    • Klärung der Problemstellung /des Arbeitsauftrages
    • Klärung der Inhalte und der Bearbeitung der Fragestellung
    • Diskussion der Arbeitsergebnisse und der Präsentation
  3. Beim Lernen helfen durch Lehren (beispielsweise AG-Leiter): SuS als Experten für eine Sache unterstützen SuS, die genau dort Schwierigkeiten haben. In der Anleiterrolle lernen die Erklärenden sich selbst zu präsentieren, Prozesse zu planen, Konfliktsituationen zu bewältigen etc.

Aus diesen drei Bereichen ergeben sich unterschiedliche gewinnbringende Elemente für Helfende und Hilfesuchende.

Möglichkeiten für Helfende:

  • Übernahme der Lehrerrolle
  • Eigenpräsentation üben
  • Expertenwissen vermitteln
  • Umgang mit Konfliktsituationen bewältigen

Möglichkeiten für Hilfesuchende:

  • Austausch mit gleichaltrigen/jüngeren SuS
  • Hilfe auf Augenhöhe
  • Hemmschwelle verringert sich[1]

[1] Vgl. Dr. Bastian, Johannes 2012, URL: https://www.beltz.de/fachmedien/paedagogik/zeitschriften/paedagogik/themenschwerpunkte/schueler_als_lernhelfer.html

4.4.1 Beispiele aus der Praxis: SuS helfen SuS

Am BerufsschulCampus in Schwalmstadt wurden als Beispiele der Lernunterstützung unter anderem das Lerncafé ins Leben gerufen als auch schulformübergreifende Projekte angeboten. Was darunter genau zu verstehen ist, wird im Folgenden erläutert.

4.4.1.1 Das Lerncafé als Beispiel für Lernunterstützung

Das Lerncafé soll in erster Linie dazu dienen, dass sich SuS gegenseitig bei schulischen Belangen befragen und helfen können. Deswegen ist es sinnvoll, ein solches Lernen schulformübergreifend zu ermöglichen. Voneinander Lernen steht in einem solchen Konzept an erster Stelle.

  • Zielgruppe: alle SuS (aller Schulformen und Fächer) mit dem Wunsch nach Hilfestellung und Austausch
  • Hausaufgabenhilfe und Lernunterstützung in gemütlicher Atmosphäre mit Kaffee, Tee und Gebäck
  • 2x in der Woche je 60 Minuten
  • Unterrichtsbegleitende und sozialpädagogische Unterstützung (UBUS und Schulsozialarbeit)
  • Ziele:
    • Konkrete individuelle Hilfestellungen
    • SuS unterstützen sich gegenseitig, knüpfen neue Kontakte und kommen in Austausch
  • Vorgehen:
    • Organisation und Betreuung klären
    • Räumlichkeiten finden
    • Werbung: Flyer erstellen/ Plakate erstellen, soziale Medien nutzen/ Schulhomepage, Info in den Klassen

Muster-Flyer für ein Lerncafé:

Sprachfoerderkonzept Muster Flyer Lerncafe

4.4.1.2 Schulformübergreifende Projekte als Beispiel für Partnerschaften

Sprachfoerderkonzept Schulformuebergreifende ProjekteSeit dem Schuljahr 2018/2019 finden am BerufsschulCampus Schwalmstadt schul-formübergreifende Projekte statt, an denen SuS der zweijährigen höheren Berufs-fachschule der Sozialassistenz und InteA sowie Studierende der Fachschule für Sozi-alpädagogik teilnehmen.

Angeboten wurden bereits Projekte wie Erlebnispädagogik, Schule und Umwelt, Theater, lebendiger Garten, Medienwerkstatt, Upcycling und Musik. Die Lernenden können sich zu Beginn des Schuljahres per Einwahlzettel in eines der genannten Pro-jekte einwählen. Bei der Einteilung der SuS in die Projekte wird, neben dem The-menwunsch, auch berücksichtigt, dass eine gleichmäßige Verteilung aus allen drei Schulformen besteht. Voraussetzung zur Verankerung eines solchen Projektes ist die Einbettung des Projektes in den Stundenplan. Dazu wurde pro Woche je Halbjahr 90 Minuten angeboten (dienstags 5./6. Stunde für alle Kurse und involvierten Klassen).

Das Hauptziel ist es, das Miteinander der SuS in Klassen mit Migrationshintergrund und der Erzieher/innen und Sozialassistent/innen zu fördern. Denn auch im späte-ren Arbeitsalltag erleben die SuS und Studierenden Integration als einen Bestandteil ihrer täglichen Arbeit. Aber auch die SuS der InteA-Klassen können von dem Ange-bot der schulformübergreifenden Projekte profitieren, indem sie mit ihren Mitschü-lerinnen und Mitschülern Deutsch sprechen und damit ihre Kommunikationsmög-lichkeiten verbessern und in Austausch kommen. Das Ziel ist es also, den SuS eine Austauschmöglichkeit zu bieten, von der beide Parteien profitieren und voneinan-der lernen bzw. der Austausch auf Augenhöhe dadurch besser ermöglicht wird. Darüber hinaus können sie sich Fachwissen zu den jeweiligen Projektangeboten aneig-nen und auch darüber in Austausch kommen.

4.4.1.3 Sprachpaten, Lesepaten

Sprachpaten und Lesepaten eignen sich als Unterstützung bei der Einführung, Orien-tierung und Erarbeitung von Unterrichtsinhalten sowie bei der Erledigung von Haus-aufgaben. Dies kann in Gruppen erfolgen, zu festen Unterrichtszeiten oder auch au-ßerhalb des Unterrichts.

4.5 Kompetenzentwicklung - Methoden zur Lernbegleitung

Seit den 80er Jahren wird in der beruflichen Aus- und Weiterbildung ein kompetenzorientiertes Lern- und Bildungsverständnis gefordert.

Bedingt durch die stetigen Veränderungen in der Lebens- und Arbeitswelt der Menschen wird zunehmend erforderlich, dass das Ziel des Lehrens und Lernens eine mehrdimensionale Handlungskompetenz sein soll. Demnach werden im Lernprozess zunehmend auch motivationale und soziale Fähigkeiten (neben den methodischen und inhaltlichen Fertigkeiten und Fähigkeiten) angelegt.

Dies führt zu einem veränderten Rollenverständnis im Lernprozess. Die Lernenden übernehmen eine aktivere Rolle, sie erwerben Wissen, wenden Wissen in konkreten Handlungssituationen an, reflektieren ihre Erfahrungen. Damit wird ihre Handlungskompetenz aufgebaut. Im Gegensatz dazu werden Lehrende von reinen Wissensvermittlern zu Begleitern. Sie setzen Impulse, geben Rückmeldungen und unterstützen im Lernprozess

Als grundlegende Prinzipien der Lernbegleitung sind die folgenden didaktischen Prinzipien tragend:

  • Zielgruppenorientierung
  • Teilnehmendenunterstützung
  • Kompetenzorientierung
  • Dialogorientierung

Globale Zielsetzungen für den Einsatz von lernbegleitenden Maßnahmen in der berufsbegleitenden wissenschaftlichen Weiterbildung sind:

  • Förderung des Kompetenzerwerbs
  • erhöhte Zufriedenheit und verbesserter Schulerfolg
  • Qualitätssicherung der Lehre[1]

Eine erste Herangehensweise, um genau solche Lernarrangements durchzuführen können im Unterricht eingesetzte Lernjobs sein. Diese sollen dabei helfen, den SuS eigenverantwortliches, selbstständiges und selbstorganisiertes Lernen zu ermöglichen. Dabei ist vorgesehen, dass die Lehrkräfte eine lernbegleitende/lernberatende Rolle übernehmen. Lernen soll im Fokus der Kompetenzorientierung stattfinden. Die SuS sollen individuell gefordert bzw. gefördert werden. Dies kann mit differenzierten Aufgabenstellungen gelingen.

Mögliche Methoden zur Lernbegleitung (beispielhafte Darstellung):

  • Lerncoach/Lernjournal
  • Lernjob
  • Lesetagebuch
  • Checklisten
  • Portfolios

Weitere Infos und Vorgehensweisen dazu können folgendem Link entnommen werden: https://www.forrefs.de/grundschule/diagnose-und-foerderung/lernfortschritte-dokumentieren-und-messen/so-begleiten-sie-effektiv-die-lernprozesse-ihrer-schuelerinnen-und-schueler.html (30.03.2021).

Lernjournal

Mustervorlage Lernjournal zum Download

Sprachfoerderkonzept Lernjournal

[1] vgl. Harder o.J., S.87

5. Additive Sprachfördermaßnahme
Sprachförderung in der Berufschule / additive Sprachförderung

Sprachfoerderkonzept Sprachfoerdermassnahme5 Additive Sprachfördermaßnahme
5.1 Sprachförderung in der beruflichen Schule

In einer beruflichen Schule werden SuS mit Deutsch als L1 (Erstsprache bzw. Muttersprache) gemeinsam mit SuS anderer Herkunftssprachen unterrichtet. Da das Sprachniveau der nicht muttersprachlichen Lernenden selten B1 (Fortgeschrittene Sprachverwendung) oder höher ist, können die SuS dem Unterrichtsgeschehen oft nicht folgen.[1] Für die Lernenden mit Deutsch als Zweitsprache ist es ein Problem, in einer Sprache denken zu lernen, die sie sich bisher nur unzureichend aneignen konnten. Ein besonderes Problem stellt die berufliche Fachsprache dar. Aus diesem Grund ist eine additive Sprachfördermaßnahme in einer beruflichen Schule sehr empfehlenswert, um das Bildungsziel zu erreichen.

[1] siehe Europäischer Referenzrahmen für Sprachen

5.1.1 Was heißt additive Sprachförderung?

Eine additive Sprachförderung ist eine zusätzliche sprachliche Unterstützung außerhalb des Regelunterrichts. So soll zur sprachlichen Bildung und zum Ausbau der Sprache beigetragen werden. Effektiver Sprachförderunterricht ist dabei von schulischer bzw. außerschulischer Nachhilfe abzugrenzen. Die additive Sprachförderung entfaltet ihre Wirkung erst im Rahmen eines schulischen Förderkonzepts (siehe Kapitel „Lernen begleiten“), das im Sinne einer durchgängigen Sprachbildung alle am Schulleben Beteiligten in die Pflicht nimmt und sowohl sprachliche als auch kulturelle Fragen berücksichtigt.

Die wichtigsten Voraussetzungen hierfür sind die positive Haltung der Schulleitung, des gesamten Kollegiums und der Ausbildungsbetriebe.

Entsprechend werden geschulte Lehrkräfte gebraucht, die sowohl eine differenzierte Sprachstandsdiagnose (siehe Kapitel „Erfassung der SuS mit Sprachförderbedarf und Diagnostik“) durchführen können als auch die fachliche und methodische Kompetenz für sprachsensiblen Fachunterricht (siehe Kapitel „Sprachsensibler Fachunterricht“) besitzen oder sich diese entsprechend aneignen.

Die Lernenden benötigen neben aktiver Lernbereitschaft vor allem Lernstrategien und Techniken, die sie einsetzen können, um ihre sprachlichen Kompetenzen zu erweitern.

5.1.2 Was beinhaltet die additive Sprachförderung an beruflichen Schulen?

Alle SuS müssen für die Unterschiede zwischen der Alltags-, der Bildungs- und der Fachsprache sensibilisiert werden.

Um bei Prüfungen und Klassenarbeiten erfolgreich arbeiten zu können, ist die Förderung des Leseverständnisses zwingend erforderlich.

Weiterhin sind Prüfungsaufgaben berufsspezifische Aufgaben, die innerhalb eines festgelegten Zeitraumes verstanden und bearbeitet werden müssen. Sie enthalten oft unbekannte Fachwörter. Auch wird oft in langen Sätzen formuliert, die beim ersten Lesen nicht vollständig erfasst werden können. Viele Sätze enthalten Passiv-Strukturen und Verneinungen. Ein Problem stellt auch das Verständnis der Gesetzestexte dar.

Für den Unterricht ist es wichtig, dass die Lernenden

  • die Operatoren und
  • die Typen bzw. Formate

von Aufgabenstellungen verstehen und diese bearbeiten können.

Operatoren sind Verben, die für Aufgabenstellungen in Klassenarbeiten bzw. Prüfungen eingesetzt werden. Sie dienen einer klaren Bewertung und Beurteilung der Schülerleistung. Operatoren sind z.B. begründen, berechnen, beschreiben, bewerten, erklären, nennen, sortieren, vergleichen, zusammenfassen.

Dies sind typische Beispiele für bildungssprachliche Begriffe, die den Lernenden oft in der genauen Bedeutung nicht bekannt sind. Im Alltag werden eher Begriffe wie “mach mal” verwendet.

In Klassenarbeiten und Prüfungen werden unterschiedliche Aufgabentypen bzw. Aufgabenformate (geschlossene Aufgaben, halboffene Aufgaben und offene Aufgaben) verwendet. Bei den geschlossenen Aufgabenformaten werden in den Prüfungen Mehrfachwahlaufgaben (Multiple-Choice-Aufgaben), Richtig-Falsch-Aufgaben und Zuordnungsaufgaben eingesetzt. Halboffene Aufgaben müssen z.B.: durch Symbole vollendet werden (z.B. Lückentext). Bei den offenen Aufgabenformaten müssen die Schüler selbst formulierte Antworten geben.

6. Sprachsensibler Fachunterricht
Erkennen von sprachlichen Hürden / Vorgehensweise / Methodische Tipps / Reflexion

Sprachfoerderkonzept Fachunterricht6.1 Gestaltung des sprachsensiblen Fachunterrichtes

Ergänzend zu diesen Punkten wurde eine Empfehlung ,,Sprachsensibler Fachunterricht an beruflichen Schulen“ erstellt. Hier geht es um die besonderen Herausforderungen in der Förderung der Fachsprache an beruflichen Schulen, besonders zum Berufseinstieg, der Beruflichen Erstausbildung, der Höher- und Weiterqualifizierung der beruflichen Schulen.[1]

Die SuS als Klassengemeinschaft sollten für die Herausforderung bestimmter Schülergruppen mit der deutschen Sprache und der deutschen Bildungssprache sensibilisiert werden und ein fairer, hilfsbereiter Gesamttonus sollte angestrebt werden. SuS nichtdeutscher Herkunft bzw. Nichtmuttersprachler sollten nicht als „Unterrichtsbremse” gesehen werden, sondern als mögliche Bereicherung interkulturellen Wissens und Kennenlernens von etwaigen anderen Herangehensweisen an bestimmte Lerninhalte (z. B. in der Mathematik). Stärkere SuS können Schwächere unterstützen, indem dies schon beim Sitzplan berücksichtigt wird. Auch die Kommunikation in der eigenen Muttersprache sollte bis zu einem bestimmten Grad toleriert werden, da sich dies für den Lernprozess als förderlich erwiesen hat. Eine Sensibilisierung der SuS für die Probleme von SuS nicht deutscher Herkunft kann durch die Auswahl geeigneter Materialien geschehen, die zu einer Auseinandersetzung mit kulturellen Unterschieden führen, wie z. B. die Themenblätter der Bundeszentrale für politische Bildung, Texte über Länder und Kulturen oder Kurzfilme, wie z. B. ,,Der Schwarzfahrer“ von Pepe Danquart. Weitere Tipps sind in Kapitel „Sensibilisierung der Lehrkräfte“ zu finden.

Nach der Sprachstandsanalyse (siehe Kapitel „Erfassung der SuS mit Sprachförderbedarf und Diagnostik“) der SuS durch entsprechende, bereits genannte Messinstrumente, können Unterrichtsinhalte entweder individuell angepasst oder allgemein auf die schwächsten SuS ausgerichtet werden.

Im Folgenden werden einige Tipps zu einer möglichen Unterrichtsplanung dargestellt.

[1] https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/veroeffentlichungen_beschluesse/2019/2019_12_05-Sprachsensibler-Unterricht-berufl-Schulen.pdf

6.2 Vorgehensweise
6.2.1 Erkennen von sprachlichen Hürden

Die Unterrichtseinheiten sollten auf etwaige Stolpersteine für das Schülerklientel überprüft werden. Diese können Fremdwörter sein, lange, verschachtelte und umständliche Sätze, ungewöhnliche Wörter, Metaphern, Fachwortschatz, Komposita (z.B. Feuerschutzleiter, Gemeindegrundsteuer, Sommerschlussverkauf), Partizipien (z.B. die Auszubildenden, die Anwesenden, heranwachsend, zusammengeklappt), Verben und Nomen mit verschiedenen Bedeutungsebenen (Gabel, Gang, Eselsohr, Laster, Lösung, Stift, Steuer), grammatische Besonderheiten. (z. B. Passiv-Formen). Folgende Fragen können dabei gestellt werden: Ist das Schriftbild (z. B. Druckschrift, Schreibschrift) lesbar? Ist eine Strukturierung vorhanden? Gibt es zu viel Text oder zu wenig Visualisierungen? Um welche Art von Text (z. B. die Textsorte) handelt es sich? Welche Art von Medien werden eingesetzt und welche Schwierigkeiten könnten SuS nicht deutscher Herkunft mit ihnen haben?

Ein ausreichendes Verständnis eines Textes ist relevant, damit SuS die dazugehörigen Aufgaben erfolgreich bearbeiten können. Um die SuS dabei zu unterstützen, kann entweder der Text an den/die Leser/in angepasst werden (defensive Vorgehensweise - Vereinfachung) oder der/die Leser/in erhält Hilfestellungen und Methodenwerkzeuge, um den Text (ohne Vereinfachung) zu verstehen (offensive Vorgehensweise).[1]

[1] vgl. Leisen 2020: S. 14f.

6.2.2 Defensives Vorgehen (Vereinfachung)

Texte können für SuS nichtdeutscher Herkunft bzw. Nichtmuttersprachler derart schwierig zu verstehen sein, dass sie dadurch demotiviert werden, sich mit diesem Text auseinanderzusetzen. An dieser Stelle können eine Vereinfachung und Anpassung des Textes an den/die Leser/in sinnvoll sein. Bei diesem defensiven Vorgehen passt die Lehrkraft den Text an das Leseniveau der SuS an, indem bspw. die Fachsprache reduziert wird, die Übersichtlichkeit verbessert wird oder sprachliche Stolpersteine entfernt werden. Sprachvereinfachung kann ein sinnvolles Element des sprachsensiblen Fachunterrichtes sein, wenn dies für Lernende hilfreich ist. Jedoch sollte vorrangig ein offensives bzw. stärkendes Vorgehen angestrebt werden und den SuS durch Unterstützung einen Rahmen zu konstruieren, damit sie die sprachlichen Hürden eigenständig und erfolgreich bewältigen können.[1]

[1] vgl. Leisen 2018a: S.33, S. 152

6.2.3 Offensives Vorgehen (Unterstützung/Scaffolding/Methoden-Werkzeuge)

Scaffolds sind Lerngerüste, die den SuS zur Verfügung gestellt werden, damit sie bestimmte Aufgaben und Inhalte besser verstehen und lernen können, wobei Scaffolding als eine Technik zu verstehen ist, die das sprachliche Handeln der SuS so unterstützt, dass sie die jeweiligen Aufgaben kognitiv erfassen und lösen können. Hierzu gehört u. a. das Aktivieren von Vorwissen (sprachlich und fachlich) sowie die Bereitstellung von relevantem Wortschatz und gebräuchlichen Redemitteln.[1]

  • Texte können mit Beispielen und/oder Grafiken ergänzt werden.
  • Auf YouTube finden sich zu vielen Themen Lernvideos, die entsprechend ausgewählt werden müssen. Diese bieten einen anderen Zugang zum Unterrichtsstoff und können unterstützend eingesetzt werden.

Methoden-Werkzeuge sollen die Sprachförderung unterstützen. Unter Methoden-Werkzeugen werden Materialien und Hilfsmittel verstanden, die den Lernprozess der SuS fördern. Diese Unterstützungen sollen dazu beitragen, dass unterrichtliche Situationen von den SuS bewältigt werden können.[2] Dabei stehen u. a. 40 Methoden-Werkzeuge von Prof. Leisen zur Verfügung. Zu diesen Methoden-Werkzeugen[3] gehören bspw. die Unterstützung der SuS durch:

  • Wortlisten mit wichtigen Wörtern und Fachbegriffen,
  • Lückentexte, in welchen die SuS die bereits erlernten Fachbegriffe korrekt einsetzen sollen,
  • Worträtsel, d. h. Spiele zur Wiederholung und Übung von Fachbegriffen,
  • Memory-Spiele, bei denen die SuS sich Bilder und Begriffe merken und zuordnen.
  • Fehlersuchbilder zur Förderung exakter Sichtungen von Materialien usw.

[1] vgl. Kniffka 2010
[2] vgl. Leisen 2018b, S. 5
[3] http://www.josefleisen.de/download-methodenwerkzeuge

6.2.4 Stärkendes Vorgehen (Lese-)strategien

Damit SuS nichtdeutscher Herkunft bzw. Nichtmuttersprachler einen (Sach-)Text durchdringen, können Lesestrategien förderlich sein. Hier wird der Text nicht vereinfacht, sondern durch Hilfestellungen wird ein Verstehen und Durchdringen des Textes gefördert. Nach Prof. Leisen können folgende sechs Leseschritte zum verstehenden Lesen hilfreich sein: [1]

  1. Schritt - Die Vorentlastung: Das Vorwissen zu einem Thema wird aktiviert und Begriffe vorab erklärt, die den SuS unbekannt sind. Hier kann bspw. eine Wortliste erstellt werden, in welcher unbekannte Wörter und Fachbegriffe erklärt werden.
  2. Schritt – Das orientierende Lesen: Die SuS lesen den Text zügig in ihrem eigenen Tempo, ohne jeden Satz verstehen zu müssen, um mit dem Text vertraut zu werden. Im Anschluss an diesen Leseauftrag nennen die SuS im Plenum bspw. Wörter und Sätze, an die sie sich erinnern.
  3. Schritt – Das selektive Lesen: Die SuS suchen aus dem Text genau vorgegebene Daten, Begriffe, Sätze oder gewünschte Informationen heraus, um sich mit dem Text vertrauter zu machen. Dazu kann es sinnvoll sein, dass die SuS die gewünschten Informationen entweder farborientiert im Text markieren oder diese herausschreiben, um sich auf anschließende Leseaufträge vorzubereiten.
  4. Schritt – Das intensive Lesen: Die SuS sind angehalten, den Text intensiv wiederholend zu lesen, zu bearbeiten und unterschiedliche Lernprodukte zu erstellen. Dabei sollen variantenreiche und zunehmend anspruchsvollere Leseaufträge die SuS beim intensiven Lesen und Verstehen unterstützen. Die Leseaufträge können bspw. folgendermaßen ausgestaltet sein, dass die SuS zu jedem Abschnitt eine Überschrift notieren, Begriffe/Absätze in eigenen Worten erläutern, Fragen zum Text beantworten, ein Handout erstellen usw.
  5. Schritt – Das extensive Lesen: Die SuS erhalten weitere Leseaufträge zur Überprüfung und Sicherung ihres Leseverständnisses. Des Weiteren soll das Gelesene durch Wiederholung im Gedächtnis verankert werden. An dieser Stelle kann es ebenfalls sinnvoll sein, wenn die SuS Vergleichstexte zum Thema erhalten, um ihr Wissen zu erweitern.
  6. Schritt – Textnutzung: Die SuS nutzen den Text für das Weiterlernen und erstellen Lernprodukte, indem sie das erworbene Wissen anwenden. Weiterführende Arbeitsaufträge zur Textnutzung können bspw. sein, dass die SuS das Gelernte auf eine andere Situation übertragen, einen Fall mithilfe des Textes lösen etc.

[1] vgl. Leisen 2020, S. 71ff.

6.2.5 Methodische Tipps
  • Unterschiedliche Sozialformen (Einzel-, Partner-, Gruppenarbeit) können eingesetzt werden, indem das Arbeitstempo der leistungsschwachen SuS berücksichtigt wird.
  • Phasen im Plenum zur Reflexion können eingesetzt werden.
  • Eigene sprachliche Redebeiträge (klare, verständliche Sprache, möglichst keine Umgangssprache) spielen eine bedeutende Rolle.
  • Es ist darauf zu achten, dass die SuS oft Gelegenheit bekommen sich zu äußern, um Fragen zu stellen oder Inhalte mit eigenen Worten wiederzugeben.
6.3 Reflexion von sprachsensiblem Unterricht

Eine Unterrichtsreflexion kann nach den allgemeinen Kriterien erfolgen, insbesondere unter Berücksichtigung folgender Fragen:

  • Konnten alle SuS die Aufgaben verstehen?
  • Konnten alle SuS die Aufgaben lösen?
  • Bekamen alle SuS geeignete Hilfestellungen?
  • Wurden alle SuS angeregt, selbstständig zu arbeiten?
  • War die Differenzierung der Aufgaben entsprechend der Kenntnis- und Leistungsstände der SuS sinnvoll?
  • Hatten alle SuS die Möglichkeit sich einzubringen?
  • War die Ergebnissicherung für alle SuS verständlich?
  • Waren die Hausaufgaben für alle SuS nachvollziehbar?

Konnten alle SuS dem Thema folgen?

7. Hilfreiche Links und Buchempfehlungen
Literatur zur Unterrichtsvorbereitung / Pilotprojekt Sprachförderung / Apps / Links zum Einstufungstest

7.1 Empfehlenswerte Literatur für die Unterrichtsvorbereitung

Sprachfoerderkonzept WerkzeugeZur Vorbereitung eines sprachsensiblen Fachunterrichts können beispielsweise folgende Bücher herangezogen werden:

Grießhaber, W. (Hrsg.) (2013): Diagnostik und Förderung leicht gemacht. Stuttgart: Klett Verlag.

Günther, K. u.a. (2013): Sprachförderung im Fachunterricht. Berlin: Cornelsen Verlag.

Leisen, J. (2020): Handbuch Sprachförderung im Fach. Sprachsensibler Fachunterricht in der Praxis (Grundlagenteil und Praxismaterialien). Stuttgart: Klett Verlag.

Ohm, U. u.a. (2007): Sprachtraining für Fachunterricht und Beruf. Münster: Waxmann Verlag GmbH.

Tajmel, T. u.a (2017): Sprachbewusste Unterrichtsplanung, Münster: Waxmann Verlag GmbH.

Weis, I. (2013): DAZ im Fachunterricht, Mühlheim: Verlag an der Ruhr.

7.2 Bildwörterbücher und Fachwortschatztrainer

Vom Verlag Handwerk und Technik gibt es für viele Berufsfelder Bildwörterbücher für das Erlernen des Fachwortschatzes. Die Fachbegriffe sind in der deutschen und englischen Sprache mit dem Artikel aufgeführt. Am Ende des Buches findet sich eine Liste aller Nomen im Plural. Außerdem befindet sich neben jedem Bild eine Leerzeile, auf der man den Begriff in der Muttersprache eintragen kann.

Bildwörterbücher des Verlages Handwerk und Technik, z. B.:

  • Küche
  • Reinigung und Housekeeping
  • Metalltechnik
  • Gesundheit und Pflege
  • Bau Farbe Holz
  • Kraftfahrzeugtechnik

Fachwortschatztrainer des Hueber Verlages, z.B.:

  • Pflege
  • Erziehung
  • Technik
  • Küche und Restaurant
  • Technik
  • Reinigung
7.3 Empfehlenswerte Internetquellen

Im Internet sind zahlreiche Informationen und kostenlose Arbeitsblätter unter dem Stichwort DAF/DAZ oder zu den jeweiligen Fertigkeiten oder zu einzelnen Strategien (Beispiel: Lesestrategien) zu finden.

Deutsch und deutlich: Arbeitsblätter für den Deutschunterricht, Grammatik und Rechtschreibung https://www.deutschunddeutlich.de (27.04.2021).

Forrefs: Methoden zur Lernbegleitung unter URL: https://www.forrefs.de/grundschule/diagnose-und-foerderung/lernfortschritte-dokumentieren-und-messen/so-begleiten-sie-effektiv-die-lernprozesse-ihrer-schuelerinnen-und-schueler.html (27.04.2021).

Interculture TV (o. J.): Bafa Bafa - Simulationsspiel URL: https://www.youtube.com/watch?v=vi4nVs077Rc (27.04.2021)

Kniffka, Gabriele (2010): Scaffolding URL: www.uni-due.de/imperia/md/content/prodaz/scaffolding.pdf (27.04.2021)

Lehrerfortbildung: Methodenpool zur Lernbegleitung unter URL:  http://lehrerfortbildung-bw.de/s_sueb/allgschulen/bbbb/2_fokus/buch_bbbb.pdf (27.04.2021).

Leisen, Josef (2020): Lesen im Fachunterricht. Sachtexte im Fachunterricht einsetzen URL: http://www.sprachsensiblerfachunterricht.de/lesen (27.04.2021)

Leisen, Josef (2014): Methoden für den sprachsensiblen Unterricht URL: www.youtube.com/watch?v=xbAdwBQySLg (27.04.2021)

Leisen, Josef (o. J.): Methodenwerkzeuge im sprachsensiblen Fachunterricht URL: http://www.josefleisen.de/download-methodenwerkzeuge (03.05.2021)

Mercator Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache (o.J.): Methodenpool für sprachsensiblen Unterricht URL: https://www.mercator-institut-sprachfoerderung.de/de/publikationen/material-fuer-die-praxis/methodenpool/ (27.04.2021)

Tajmel, Tanja (2013): Warum Sprache für das sprachliche Lernen wichtig ist: Methoden für einen sprachsensiblen Unterricht URL: http://oesz.at/sprachsensiblerunterricht/UPLOAD/Nachlese_Tajmel_Bundesseminar_Retz_Mai2013.pdf (27.04.2021)

Wirtschaftsdeutsch: Arbeitsblätter, Tests, Unterrichtsvorschläge, Onlineübungen und Fachartikel unter URL: https://www.wirtschaftsdeutsch.de (Arbeitsblätter, Tests, Unterrichtsvorschläge, Online-Übungen und Fachartikel für den berufsbezogenen Deutschunterricht, die von der Redaktion des Forums Wirtschaftsdeutsch erstellt wurden) (27.04.2021).

Woerfel, Till / Giesau, Marlis (2018): Sprachsensibler Unterricht. Köln: Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache URL: https://www.mercator-institut-sprachfoerderung.de/de/themenportal/thema/sprachsensibler-unterricht/ (27.04.2021)

Zukunftsschulen NRW (o.J.): Planungsrahmen zum sprachsensiblen Unterricht URL: https://www.zukunftsschulen-nrw.de/fileadmin/user_upload/regional/arnsberg/Dokumentation/BRA_NW56_Tabellenvorlage_zur_Planung_eines_sprachsensiblen_Unterrichts.pdf (27.04.2021)

7.4 Pilotprojekt Sprachförderung des Kultusministeriums

Im Pilotprojekt wurde an Unterrichtsentwürfen für den sprachsensiblen Unterricht gearbeitet und zudem eine Handreichung für den sprachsensiblen Fachunterricht erstellt, welche die LuL bei der Arbeit unterstützen sollen.

7.5 Internetangebote zur Erstellung von Quizspielen und Rätseln

Rätsel dienen der Vertiefung des Fach-bzw. Bildungswortschatzes. Es können ganz gezielt bestimmte Begriffe gefestigt werden. Die Bearbeitung eines Rätsels macht SuS Spaß, denn es ist eine spielerische Aneignung von Wissen.

7.6 Kostenlose Apps für Android/iOS

Mit der kostenlosen App „Mein Vokabular“ von der Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Handwerkskammern kann man sich individuell ein eigenes Bildwörterbuch mit Vokabeln rund um die Berufsausbildung anlegen. In nur drei einfachen Schritten erstellt man das persönliche Bildwörterbuch. Im ersten Schritt erstellt man eine neue Karteikarte. Im zweiten Schritt macht man ein Foto vom Gegenstand, dann spricht und tippt man die dazugehörige Vokabel ein. Und im letzten Schritt kann man in der Übersicht die Fremdwörter üben.

Mit der kostenlosen App „Ein Tag Deutsch in der Pflege“ von der IQ Fachstelle ,,Berufsbezogenes Deutsch“ kann man den Wortschatz rund um die Pflege erlernen und trainieren. Die App bietet ein kostenloses Lernspiel mit Übungen zu Kommunikation, Wortschatz, Strukturen und Aussprache für Deutschlernende ab dem Sprachniveau B1.

7.7 Links zum Einstufungstest

Einstufungstests bieten sich an, wenn man das Sprachniveau der SuS ermitteln möchte. Hilfreich sind hierbei insbesondere auch die Onlinevarianten, diese bieten die Möglichkeit, gleich im Anschluss ein Ergebnis angezeigt zu bekommen (Alternative zu Profilanalyse und ähnlichen Verfahren).

https://www.klett-sprachen.de/downloads/einstufungstests/c-681 (27.04.2021)
https://www.cornelsen.de/empfehlungen/sprachtest/deutsch-als-fremdsprache (27.04.2021)

8. Zusammenarbeit mit Schulsozialpädagoginnen und -pädagogen
Zusammenarbeit mit Schulsozialpädagoginnen und -pädagogen

Sprachfoerderkonzept Zusammenarbeit

Bei Schwierigkeiten und/oder offenen Fragen (Beispiele: Praktikumsvermittlung, psychologische Betreuung, Aufenthaltsgenehmigungen, Traumatisierung, Behördengänge, Integration usw.) sind die Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen die ersten Ansprechpartner/innen.Inhalt

Quellen
Literaturverzeichnis

Bastian Dr., Johannes (2012): Erfahrungen- Begründungen- Schwierigkeiten. URL: https://www.beltz.de/fachmedien/paedagogik/zeitschriften/paedagogik/themenschwerpunkte/schueler_als_lernhelfer.html (02.06.2021).

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Grießhaber Prof., Wilhelm/Heilmann, Beatrix (2019): Diagnostik und Förderung leicht gemacht. Stuttgart: Klett

Harder, Sven (o.J.): Lernprozesse unterstützen und begleiten. URL: https://www.uni-rostock.de/storages/uni-rostock/UniHome/Weiterbildung/KOSMOS/lernbegleitung.pdf (02.06.2021)

Hessische Lehrkräfteakademie (2018): Power-Point-Präsentation zum Thema Sprachdiagnose und Sprachförderung am 02.05.2018, Tagungsstätte Weilburg, Referentin Dr.G. Proesmans

Hessisches Kultusministerium (2017): Hessisches Schulgesetz (Schulgesetz –HSchG) in der Fassung vom 30. Juni 2017 (GVBI S.150), zuletzt geändert durch Gesetz vom 03.Mai 2018 (GVBI S.82).

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Leisen, Josef (2020): Handbuch. Lesen im Fachunterricht. Sachtexte sprachsensibel bearbeiten. Verstehendes Lesen vermitteln. Stuttgart: Klett.

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Von Plüschkow, Alexandra (o.J.): Forrefs https://www.forrefs.de/grundschule/diagnose-und-foerderung/foerderplaene-entwickeln/der-foerderplan-so-unterstuetzen-sie-ihre-schueler.html (02.06.2021).

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Weis, Ingrid (2013): DAZ im Fachunterricht. Sprachbarrieren überwinden- Schüler erreichen und fördern. Mühlheim: Verlag an der Ruhr.